Firmengründung Schweiz 2026: der Kanton bestimmt den Satz, der ansässige Geschäftsführer ist Pflicht
Firmengründung Schweiz: GmbH ab CHF 20 000, effektiv 11,7–20,5 % je nach Kanton — und die Pflicht zum in der Schweiz wohnhaften Zeichnungsberechtigten.
Die Schweiz ist teuer, nach heutigen Massstäben langsam und verlangt Dinge, die Estland vor einem Jahrzehnt abgeschafft hat. Sie ist zugleich weiterhin der Ort, an dem ein grosser Teil der Welt Geld ablegt, das er behalten will. Wer den Handel verstehen will, muss beide Hälften ehrlich anschauen.
Kurzfassung. Eine Schweizer GmbH braucht CHF 20 000 Kapital, voll einbezahlt; eine AG CHF 100 000, davon mindestens CHF 50 000 einbezahlt. Die Gründung dauert etwa zwei bis drei Wochen — rund eine Woche, sobald Kapital einbezahlt und die Urkunde beurkundet ist. Mindestens ein Geschäftsführer oder Verwaltungsrat muss in der Schweiz wohnhaft sein und Einzelzeichnungsrecht haben. Die effektive kombinierte Gewinnsteuer von Bund, Kanton und Gemeinde liegt zwischen rund 11,7 % in Zug oder Luzern und etwa 20,5 % in Bern, im Schweizer Mittel bei rund 14,4 %. Die Gründung ist per beglaubigter, apostillierter Vollmacht aus der Ferne möglich, und seit 1. April 2026 erlauben erweiterte E-Beurkundungsregeln die Gründung, ohne dass jede Partei persönlich vor dem Notar erscheint.
So gründen Sie eine Gesellschaft in der Schweiz
- Namen reservieren und beim kantonalen Handelsregister prüfen lassen.
- Statuten und Gründungsurkunde entwerfen und beurkunden — persönlich oder per apostillierter Vollmacht.
- Aktien- bzw. Stammkapital auf ein Sperrkonto einzahlen und die Sperrbestätigung der Bank einholen.
- Anmeldung beim kantonalen Handelsregister. Der Eintrag publiziert die Gesellschaft und gibt das gesperrte Kapital frei.
- Für die Mehrwertsteuer registrieren — obligatorisch ab CHF 100 000 Umsatz — sowie gegebenenfalls für Sozialversicherungen und Quellensteuer.
- Das Sperrkonto in ein Geschäftskonto überführen, sobald KYC abgeschlossen ist.
Die Handelsregistergebühr liegt bei rund CHF 600, kantonale Notariatskosten typischerweise bei CHF 500 bis 2 000. Auf einbezahltes Kapital über CHF 1 Mio. fällt eine eidgenössische Emissionsabgabe von 1 % an; die erste Million ist befreit.
Der Kanton ist die Entscheidung
Es gibt keinen einheitlichen Schweizer Gewinnsteuersatz, und wer einen nennt, hat nicht hingesehen. Die Bundesebene liegt flach bei 8,5 % des Gewinns nach Steuern, rund 7,83 % vor Steuern. Kantone und Gemeinden legen eigene Sätze darauf, und die Spanne ist gross: effektiv rund 11,7 % in Zug oder Luzern gegenüber etwa 20,5 % in Bern, im Schweizer Mittel rund 14,4 % im Jahr 2026.
Kantone erheben zusätzlich eine jährliche Kapitalsteuer auf dem Eigenkapital. Für eine gut kapitalisierte Holding kann diese Abgabe mehr wiegen als die Differenz bei der Gewinnsteuer, weshalb der Kanton nach beidem gewählt werden sollte.
Grosse Gruppen mit einem Umsatz ab EUR 750 Millionen unterliegen der 15-prozentigen OECD- und Schweizer Mindestbesteuerung, die den kantonalen Vorteil auf dieser Grössenordnung aufhebt.
Das Wohnsitzerfordernis ist echt
Mindestens ein Geschäftsführer oder Verwaltungsrat muss in der Schweiz wohnhaft sein und Einzelzeichnungsrecht besitzen. Das ist der wichtigste strukturelle Unterschied zwischen der Schweiz und den reibungsarmen EU-Jurisdiktionen, und es ist keine Formalität, die ein Dienstleister verschwinden lässt.
Nominee-Lösungen gibt es. Sie ziehen auch Aufmerksamkeit auf sich und erschweren das Banking, denn eine Bank, die eine schweizerische Gesellschaft in ausländischer Hand mit gemietetem Zeichnungsberechtigten prüft, zieht den naheliegenden Schluss. Ist echte Schweizer Präsenz beabsichtigt, ist die Anforderung ein Kostenpunkt. Ist eine Schweizer Adresse auf dem Briefkopf beabsichtigt, ist sie der Grund, weshalb der Plan nicht funktionieren wird.
Banking ist selektiv und kann schlicht ablehnen
Das Onboarding von Gesellschaften in ausländischer Hand ist langsam und wählerisch. Erwarten Sie umfangreiche Herkunftsnachweise und akzeptieren Sie, dass eine Ablehnung ein realistisches und kein aussergewöhnliches Ergebnis ist. Schweizer Banken haben fünfzehn Jahre lang Risiken abgebaut und haben keinen Kundenmangel.
Das verträgt sich schlecht mit der Reihenfolge der Gründung, denn das Kapital muss vor der Eintragung auf ein Sperrkonto. Die Bankbeziehung ist daher keine Nacharbeit, sondern eine Voraussetzung.
Revision und Opting-out
Standard ist die eingeschränkte Revision. Kleine Firmen mit weniger als zehn Vollzeitstellen können mit einstimmiger Zustimmung der Gesellschafter vollständig darauf verzichten, doch seit der Reform 2025 muss das Opting-out vor Beginn des Geschäftsjahres eingereicht werden — der Zeitpunkt ist unerbittlich. Eine ordentliche Revision greift, sobald zwei von drei Schwellen überschritten sind: CHF 20 Mio. Bilanzsumme, CHF 40 Mio. Umsatz, 250 Mitarbeitende.
Für wen sich das wirklich eignet
Für Holding- und Vermögensstrukturen sowie europäische Betriebsstandorte, die Glaubwürdigkeit, ein dichtes Abkommensnetz und Zugang zum Schweizer Banking brauchen — und die eine echte lokale Präsenz finanzieren. Es ist eine Jurisdiktion für Substanz, und sie ist entsprechend bepreist.
Der nächste Vergleich ist Liechtenstein: flache 12,5 %, CHF 10 000 Kapital, EWR-Mitgliedschaft, die der Schweiz fehlt, und ein obligatorischer lokaler Treuhänder, der die Schweizer Wohnsitzregel spiegelt. Zählt EWR-Marktzugang, gewinnt Liechtenstein. Zählen Bankentiefe und Abkommensdichte, die Schweiz. Wer eine günstige europäische Gesellschaft will und die Schweiz mit Estland oder Irland vergleicht, vergleicht keine konkurrierenden Produkte.
Die vollständige, datierte Referenz dazu: Firmengründung in Switzerland.
Häufige Fragen
Wie viel Kapital braucht man für eine Firmengründung in der Schweiz?
Eine GmbH benötigt CHF 20 000 Stammkapital, voll einbezahlt. Eine AG benötigt CHF 100 000, wovon mindestens CHF 50 000 oder 20 % einbezahlt sein müssen. Das Kapital wird vor der Eintragung auf ein Sperrkonto eingezahlt und mit dem Eintrag im kantonalen Handelsregister freigegeben. Hinzu kommen eine Handelsregistergebühr von rund CHF 600 und kantonale Notariatskosten von typischerweise CHF 500 bis 2 000. Auf einbezahltes Kapital über CHF 1 Million fällt eine eidgenössische Emissionsabgabe von 1 % an, die erste Million ist befreit.
Wie hoch ist die Unternehmenssteuer in der Schweiz?
Es gibt keinen einheitlichen Satz. Die Bundesebene liegt flach bei 8,5 % des Gewinns nach Steuern, rund 7,83 % vor Steuern, und Kantone und Gemeinden erheben eigene Gewinnsteuern darauf. Der effektive kombinierte Satz reicht von rund 11,7 % in Kantonen wie Zug und Luzern bis etwa 20,5 % in Bern, im Schweizer Mittel bei rund 14,4 % im Jahr 2026. Kantone erheben zusätzlich eine jährliche Kapitalsteuer auf dem Eigenkapital, was für gut kapitalisierte Holdings ins Gewicht fällt. Gruppen ab EUR 750 Millionen Umsatz unterliegen der 15-prozentigen OECD- und Schweizer Mindestbesteuerung.
Brauche ich einen in der Schweiz wohnhaften Geschäftsführer?
Ja. Mindestens ein Geschäftsführer oder Verwaltungsrat muss in der Schweiz wohnhaft sein und Einzelzeichnungsrecht besitzen. Das gilt für GmbH und AG gleichermassen und ist nicht abdingbar. Ein in der Schweiz wohnhafter Nominee erfüllt den Buchstaben der Anforderung, doch reine Nominee-Konstruktionen ziehen Aufmerksamkeit auf sich und erschweren das Banking, weil eine Bank bei einer Gesellschaft in ausländischer Hand mit gemietetem Zeichnungsberechtigten den naheliegenden Schluss zieht. Das ist der wesentliche strukturelle Unterschied zu reibungsarmen EU-Jurisdiktionen wie Estland oder Irland.
Kann ich eine Schweizer Gesellschaft aus der Ferne gründen?
Ja, über eine beglaubigte und apostillierte Vollmacht, und seit 1. April 2026 erlauben erweiterte E-Beurkundungsregeln die Gründung, ohne dass jede Partei persönlich vor dem Notar erscheint. Das betrifft die Gründung selbst, nicht das Banking: Das Kapital muss vor der Eintragung auf ein Sperrkonto, und die Bankbestätigung ist eine Einreichungsvoraussetzung, sodass eine Bankbeziehung vor der Gesellschaft bestehen muss. Schweizer Banken verlangen von Gesellschaften in ausländischer Hand umfangreiche Herkunftsnachweise und können ablehnen, was das Banking zum eigentlichen Nadelöhr macht.
Wie lange dauert eine Firmengründung in der Schweiz?
Insgesamt etwa zwei bis drei Wochen, wovon rund eine Woche zwischen Kapitaleinzahlung und Beurkundung einerseits und dem Handelsregistereintrag andererseits liegt. Variabel ist alles davor: Namensprüfung, Entwurf und Beurkundung der Statuten und vor allem die Eröffnung des gesperrten Kapitalkontos, die vollständig davon abhängt, ob die Bank den Kunden will. Der Eintrag publiziert die Gesellschaft und gibt das Kapital frei; danach folgen die Mehrwertsteuerregistrierung ab CHF 100 000 Umsatz und allfällige Sozialversicherungsanmeldungen.
Welcher Schweizer Kanton ist der beste für eine Gesellschaft?
Es kommt darauf an, ob Gewinnsteuer oder Kapitalsteuer dominiert. Bei der Gewinnsteuer liegen Zug und Luzern mit effektiv rund 11,7 % am unteren Rand, Bern bei etwa 20,5 %, die meisten Kantone dazwischen. Kantone erheben aber auch eine jährliche Kapitalsteuer auf dem Eigenkapital, sodass eine Holding mit grosser Bilanz und moderatem Gewinn in einem Kanton mit niedriger Kapitalsteuer besser fahren kann, selbst wenn dessen Gewinnsteuersatz nicht der tiefste ist. Die Sätze ändern sich jährlich und sollten bei der Gründung geprüft und nicht einer Vergleichstabelle entnommen werden.
Quellen (1)

Verfolgt, wo das Geld einer Familie beim Umzug tatsächlich landet — und wo eben still nicht.
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